10.06.10 17:37
Anna Baylis-Scheiderbauer: "Mein Herz schlägt für Australien"
WM-Fieber in Offenburg: Anna Baylis-Scheiderbauer wünscht sich einen sportlichen Erfolg für ihre alte Heimat - Exklusivinterview Hubert Röderer von der Badischen Zeitung
OFFENBURG. Australien heißt der erste Gegner der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Jogi Löws Team trifft am Sonntagabend auf die Elf des Kontinents, der sich erst zum dritten Mal für eine WM qualifizierte. Nichtsdestotrotz hofft Anna Baylis-Scheiderbauer auf ein gutes Abschneiden der Männer aus ihrem alten Heimatland: Die 33-Jährige lebt inzwischen seit acht Jahren in Deutschland und hat sich, zusammen mit ihrem Mann Jörg, einen großen Namen gemacht als Organisatorin großer Mountainbike- und Triathlon-Wettkämpfe.
Sonntag, 13. Juni, 19.30 Uhr, Anpfiff der Begegnung zwischen Deutschland und Australien. Wer zur vermutlich ersten ganz großen Public-Viewing-Veranstaltung zum Marktplatz pilgert, dürfte an einem sicheren Erfolg von Löws junger Fohlenelf nicht den leisesten Zweifel hegen. Wie denn auch, werden die Aussies in punkto Fußball international doch höchstens als zweitklassig gehandelt. Zwar konnten sie sich bislang immerhin schon viermal - 1980 in Neukaledonien, 1986 in diversen Austragungsländern, 2000 auf Tahiti und 2004 im eigenen Land - als Ozeanienmeister feiern lassen, doch das war's dann auch schon an fußballerischen Großtaten. Immerhin zweimal trat ein Team bislang bei Weltmeisterschaften an: jeweils in Deutschland. 1974 wurde der Gastgeber Weltmeister, 2006 immerhin Dritter, Australien aber ging leer aus. Aufhorchen ließ seinerzeit indes die Begegnung Australien gegen Italien: Die Ozeanier hielten bis in die letzte Minute der Nachspielzeit ein 0:0 gegen Italien, bevor eine umstrittene Szene Italien einen Strafstoß und den Sieg bescherte. Es war das Aus für die Australier, die auch "Socceroos" genannt werden, weil der Fußball bei ihnen "Soccer" heißt - Australian Football hat dort einen viel größeren Stellenwert, ist aber was anderes. Und jetzt hat der Niederländer Pim Verbeek Australien zur dritten WM geführt - und gleich in der ersten Begegnung kommt's zum Kräftemessen mit dem Mitfavoriten aus Deutschland.
Ob zwei Herzen in ihrer Brust schlagen? Nein, nicht wirklich, lacht Anna Baylis-Scheiderbauer. Natürlich lebe sie gerne in Deutschland, habe hier in nur acht Jahren schon viele Menschen, viele Freunde kennengelernt, sei mit einem Deutschen verheiratet und mit diesem bei der Organisation von sportlichen Events sehr erfolgreich, spreche inzwischenaußerdem prima Deutsch, zumal die alemannisch-ortenauerische Variante, doch eines müsse sie dann doch gestehen: "Mein Herz schlägt für Australien." Fast um Verzeihung bittend, schiebt sie nach: "Das ist doch normal, oder?!" Naja, so wirklich glaube sie zwar nicht an den großen Erfolg - aber abwarten.
Als Anna Baylis hat die charmante Sportlerin 24 Jahre in ihrer Heimat auf der anderen Seite der Erdkugel gewohnt. Aufgewachsen in Melbourne, der Stadt der Olympischen Spiele von 1956, hatte sie mit Sport rasch viel am Hut - und war auch rasch erfolgreich. 1996 begann sie mit Triathlon, ein Jahr später gehörte sie bereits der Nationalmannschaft an, was im Duathlon (Radfahren und Laufen) sogar schon ein Jahr zuvor der Fall war. 1999 dann aufgrund eines Ermüdungsbruchs des Schienbein die wegweisende Entscheidung: Anna Baylis sattelte auf Mountainbike um - und wurde prompt für die Olympischen Sommerspiele 2000 im eigenen Land, in Sydney, nominiert, wo sie im Cross Country, Olympische Distanz, einen vorzüglichen Platz 21 belegte. Vor acht Jahren kam die Diplom-Ernährungswissenschaftlerin nach Deutschland und machte mit ihrem Mann Jörg zusammen aus Offenburg und Rammersweier später ein anerkanntes Mountainbike-Mekka, zu dem auch ein phantastischer Weltcup zählt.
Anna Baylis-Scheiderbauer, obwohl immer viel mit Sport aller Art in Berührung und nach wie vor eine exzellente Triathletin und Mountainbikerin, erinnert sich noch gut, dass "Soccer" in ihrer Jugend keine Rolle gespielt habe - "vielleicht einmal im Jahr". Seit jeher stünden Australian Football, Cricket, Triathlon, Schwimmen oder Basketball einfach höher im Kurs - und selbst Motorsport, obwohl es nur wenige Sportler, aber viele Zuschauer gibt. Sportlich waren stets auch die Brüder Mark und Luke und die Schwestern Sarah und Rachel. Doch Soccer? "Nein."
Bild und Text Copyright: Hubert Röderer/Badische Zeitung




