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30.06.09 08:55

Scheiderbauers bewahren trotz Magenproblemen und platten Reifen ihren Kampfgeist

 

Eigentlich sollte der Ironman in Nizza den internationalen Durchbruch bringen, aber vor allem die Qualifizierung für die Ironman Weltmeisterschaften auf Hawaii. Dass sich das harte Training eigentlich ausgezahlt hätte, zeigte sich sowohl bei Anna als auch bei Jörg Scheiderbauer bereits auf der 3,8 Kilometer langen Schwimmstrecke. Beide Scheiderbauers bewiesen auf der ersten Distanz, die im Mittelmeer vor der berühmten Strandpromenade Nizzas ausgetragen wurde, dass die Weltspitze zum Greifen nahe ist. Jörg verließ das Wasser mit der Spitze in einer herausragenden Zeit von 53:29 Minuten. Und auch Anna zeigte eine hervorragende Leistung: Mit einer Schwimmzeit von 59:36 Minuten, also noch unter einer Stunde, stieg sie als Vierte aus dem Wasser.

Die Radstrecke, die als eine der schwersten der Welt gilt, da die 180 Kilometer über 2.000 Höhenmeter führen, sollte den Scheiderbauers eigentlich entgegen kommen. Die ehemaligen Mountainbikeprofis sind am Berg besonders stark. Leider machte Anna die Technik und Jörg sein Magen Probleme. Zunächst hielt sich Jörg lange mit den Weltklasse Triathleten Marcel Zamora Perez (Spanien) und Oscar Galindez (Brasilien). Bis Kilometer 65 sah es so aus als ob der Offenburger nicht nur eine Top Ten, sondern sogar eine Top Fünf Platzierung erreichen könnte. Doch schon beim Ausstieg aus dem Wasser hatte der 32-Jährige ein komisches Gefühl im Magen. „Ich dachte mir da schon, dass was nicht stimmt“, erzählt er nach dem Wettkampf. „Und dann kamen auch schon bald die Krämpfe!“ Von derart starken Schmerzen geplagt, konnte Jörg auf der gesamten Radstrecke keine Nahrung zu sich nehmen. Der Einbruch musste ohne Energiezufuhr früher oder später kommen. Die Radstrecke meisterte der Sportler noch mit viel Biss und wechselte als Achter auf die Marathondistanz im Laufen, der letzten Disziplin. Bis Kilometer 15 konnte Scheiderbauer die Platzierung halten, doch dann brach er völlig erschöpft ein. Gehen, laufen, gehen, laufen – an einen normalen Lauf war nicht mehr zu denken. „Die letzten zehn Kilometer waren die Hölle. Ich konnte nicht einmal mehr schnell gehen.“ Dennoch schleppte sich Scheiderbauer bis ins Ziel und musste auf der 42 Kilometer langen Strecke einen nach dem anderen an sich vorbei ziehen lassen. Am Ende reichte es in seiner Altersklasse nur noch für Rang 51. „Ich denke im Nachhinein, dass ich beim Schwimmen zu viel Salzwasser geschluckt und mir damit den Magen verdorben habe“, erklärt Scheiderbauer. „Ich war wirklich fit, aber leider kann so etwas Unvorhergesehenes im Sport immer passieren!“

Ehefrau Anna hatte hingegen mit rein technischen Problemen zu kämpfen.
Nach nur 20 Kilometern hatte sie, an Position vier gelegen, ihren ersten Platten. Beim Wechseln des Schlauches musste die Australierin feststellen, dass auch der Reifen beschädigt worden war. Aufgeben wollte Anna jedoch nicht und kam bis Kilometer 40 als der Schlauch erneut ohne Luft war - ein enormer Kraftakt. Ein Streckenkontrolleur wollte ihr bereits die Startnummer abnehmen, als ihr Zuschauer einen Schlauch und eine Pumpe gaben.
Fremde Hilfe ist eigentlich verboten, dennoch drückte der Offizielle ein Auge zu. „Ich wusste, dass bei Kilometer 70 eine Shimano Service Station ist“, so Anna. „Kampflos aufgeben wollte ich daher nicht!“ Mit gerade Mal drei Bar Reifenluftdruck quälte sich die Athletin den längsten Anstieg hinauf und erreichte letztendlich die Service Station, wo sie einen neuen Reifen und einen neuen Schlauch erhielt. Die Radstrecke hatte sie jedoch viel Zeit, aber vor allem Kraft gekostet, was ihr auf der Marathonstrecke entlang der Strandpromenade bald zum Verhängnis wurde. Die Strapazen waren der 32-Jährigen anzusehen. Am Ende erreichte Anna dennoch eine respektable Ironmanzeit mit 11:36:48 Stunden und in ihrer Altersklasse den 13. Platz.