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02.06.10 09:30

„Meine Challenge! Das Ende eines Projekts und der Beginn einer neuen Leidenschaft“ – Ein Erlebnisbericht von Sportskanone Freddy Kühner

Freddy Kühner wurde Anfang Dezember 2009 von der Jury des FELT ÖTZTAL X-BIONIC Teams im Rahmen der EDEKA- Aktion „Sportskanone“ ausgewählt, um die Worldclass Mountainbike Marathon Challenge in Offenburg zu finishen. Am 16. Mai war es dann soweit, der große Tag war gekommen. In einem ausführlichen Erlebnisbericht beschreibt der 46-jährige IT- Berater aus Achern-Wagshurst wie die Zeit zwischen Auswahl und Event verlaufen ist und wie er den Wettkampftag erlebt hat:

Die Woche vor dem Wochenende der Challenge war eigentlich ganz normal... bis auf die Tatsache, dass ich fast kein Training mehr gemacht habe, außer am Samstag als ich mit dem Bike an die Tanke gefahren bin... nein, nicht um nen Sixpack für den Abend zu holen, sondern um das Bike für das Rennen nochmals anzuhübschen und auf Hochglanz zu polieren... gemütliche 20 Kilometer ...
Auch am Samstagabend war alles soweit OK. Wir waren noch bei uns im Ort beim Hähnchenfest und ich habe mich mit einem halben Hähnchen und einem Freibier für die sonntägliche Herausforderung gestärkt... aber sehr nervös oder aufgeregt war ich (scheinbar) noch nicht. Wir gingen früh zu Bett, gegen 22:00 Uhr, und ich dachte ich schlafe jetzt mal so richtig aus damit ich auch frisch ins Rennen starten kann.
Gegen 3:00 Uhr in der Früh sah ich dann zum ersten Mal auf den Wecker.... und dachte "das kanns ja wohl nicht sein"... habe mich umgedreht und versucht wieder einzuschlafen.. aber immer wieder kam ich im Halbschlaf an meine beiden "Angststellen": ein scharfer Linksknick bergauf und eine steile Abfahrt über Steine, Schlamm und loses Geröll, die sich mir, neben der Herausforderung an sich,  noch als Highlights von einer Probefahrt der Strecke ein paar Wochen vorher ins Gedächtnis gebrannt hatten. So fuhr ich das Rennen eine ganze Weile im Geiste und Halbschlaf durch. Ich habe dann beschlossen mich mit meinem aktuellen, sehr empfehlenswerten Thriller "Unheil" von Bentley Little in den Schlaf zu lesen. Das hat leider nicht geklappt und so habe ich mich bis ca. 4:30 Uhr rumgewälzt und bis ca. 7:00 Uhr unruhig geschlafen. Dann sind wir aufgestanden, ich habe ein leichtes Frühstück bestehend aus Apfel, Erdbeeren, einer halben Banane und etwas Joghurt eingenommen und mich so langsam ans Duschen und Anziehen gemacht. Als ich mich gerade anzog hat unser kleiner Sohn Moritz mit seinen 2 Jahren und 5 Monaten auf seine unvergleichliche Art gefragt "Pappa macht ???". Und als meine Frau Sandra, die mich in den ganzen Monaten ganz hervorragend unterstützt hat und ohne deren  Hilfe und auch manchmal "anschubsen" es bestimmt nicht geklappt hätte, zu ihm sagte "Papa geht jetzt auf sein Rennen", ja da wusste ich es defintiv : ES WIRD ERNST.
Ich also ins Auto gestiegen, welches ich schon am Vorabend mit FELT-Bike, Klamotten, Helm etc. "gepackt" hatte und ab nach Offenburg gefahren. Der OBI Parkplatz war gegen 9:15 Uhr schon gerammelt voll, und ich hatte Glück noch ein Plätzchen zu ergattern. Dann schnell das Fahrrad zusammengeschraubt und meine X-BIONIC Kleidung angelegt. Durch Zufall traf ich noch einen Mitstreiter auf der 32er-Strecke, Willi Krieg aus Renchen mit Frau Elvira und Tochter und so sind wir gemeinsam Richtung Startbereich gefahren. Als wir gegen 9:30 Uhr dann vor dem Start standen,  war rein gefühlsmäßig immer noch die Welt in Ordnung. Ich merkte allerdings wie der Puls etwas höher wurde, so um die 90 Schläge und sich eine ganz leichte Unruhe meiner bemächtigte. Als es dann in die Startboxen ging und die Uhrzeit 10:10 Uhr immer näher rückte, da stellte sich mir beim Betrachten der Szenerie (hunderte Biker um mich rum, laute Rockmusik, einpeitschende Ansagen des Moderators,...) so ein seltsames Gefühl der Unwirklichkeit ein... ist das real hier? Was um alles in der Welt mache ich hier? Träume ich? Beim Herunterzählen des Countdowns wusste ich "es ist real, jetzt geht's los und du bist mittendrin". Aber es war auch ein absolut toller Moment... das, wofür ich einige Monate lang trainiert hatte und was Ende Januar als ich mein FELT-Bike bekam noch soooo weit weg war... das ging jetzt los. Als der Startschuss dann fiel ging es ganz moderat Richtung Rammersweier, die ersten Mitstreiter überholten mich (es sollten nicht die letzten gewesen sein ;-), aber ich zog wie von Geri empfohlen (dem absolut besten Chefmechaniker der Welt und des FELT ÖTZTAL X-BIONIC Teams, mancher würde sagen "so a cooler Hund" ;-) ) einfach mein Ding durch und ließ mich nicht zu unüberlegten "Attacken" hinreißen. Es ging dann bergauf, ich wurde weiter überholt, passierte dann aber doch den einen oder anderen welcher sich mit hochrotem Kopf "die Schuhe band". Teilweise kamen auch wieder Kollegen den Berg runter.. aber ich fuhr einfach mein Ding... langsam aber beständig den Berg rauf, ohne Anhalten oder umkucken... einfach immer bergauf.... Irgendwann war dann die erste lange Bergetappe oberhalb des Zeller Brunnen zu Ende und es begann die erste längere Abfahrt... das war solange für mich ganz OK solange wir 32km-Fahrer unter uns blieben. Später jedoch (ich hatte meine beiden Angst-Passagen mit Bravour gemeistert) haben wir uns mit dem Rest des Feldes, sprich mit den anderen Distanzen,  vermischt. Ich muss dazu sagen dass ich kein Abfahrtsweltmeister bin und eher gemächlich auf der kiesigen, schotterigen und teilweise matschigen Piste unterwegs war. Dies hatte zur Folge dass ich immer wieder von Raketen auf 2 Rädern von hinten angeschrieen wurde (LINKS.... MITTE ... RECHTS), immer wieder sorgenvoll nach hinten geschaut habe und an zwei Stellen beim wieder nach vorne schauen dachte "jetzt ist's vorbei mit dir". Als ich nämlich beim Umschauen und dem Versuch möglichst weit rechts zu bleiben plötzlich fast am Abhang fuhr und nur mit viel Glück (vor meinem geistigen Auge lag ich schon blutend im Schotter) die Fuhre abgebremst bekam, doch noch das Gleichgewicht und die Contenance hielt und mit "zweehunnert Puls" und einem Adrenalinschock die nächsten Meter gaaaanz langsam und vorsichtig bergab schlich.
Aber auch das ging vorbei und irgendwann war ich in den Weinbergen vor Zell-Weierbach, das Dahinrauschen auf dem Asphalt war Genuss pur! Allerdings wusste ich dass noch zwei fiese Abschnitte auf mich warteten, die endlose Fanmeile in Zell-Weierbach und ein hässlicher kleiner Buckel der fast senkrecht bergauf geht kurz vor Offenburg. Die Fanmeile empfand ich einerseits als körperlich schlimmsten Abschnitt meiner Challenge. Dies wurde aber immer wieder wettgemacht von den begeisterten Fans. Als ich nach den Weinbergen um die Ecke bog hörte ich die ersten Freeeeeddiiiiiiieeeee-Rufe. Elvira, die Frau meines 32km Mitstreiters Willi samt Tochter standen da und feuerten mich an. Dies gab mir nochmal einen richtigen Schub und so meisterte ich mit der Hilfe der vielen Fans, die mich immer wieder mit "Freddy, du schaffst das" und ähnlichen Rufen geradezu den Berg hinaufschrien die letzten Kilometer bis ins Ziel. Dort bekam ich den zweiten Atem und ich überholte sogar noch einen Konkurrenten, nicht wissend welche Strecke er überhaupt fuhr ;-). Als dann meine Zieldurchfahrt von meiner Frau Sandra samt extra aus Balingen angereisten Freunden mit Geschrei und Gewinke begrüßt wurde, da wusste ich: "Ich hab's geschafft". Keine Grippe, keine angeknacksten Rippen vom Trainingssturz, keine Schmerzen in der Fußsohle vom Joggen mit zu alten Schuhen... kein Sturz im Rennen, kein Kreislaufkollaps und auch kein Nervenzusammenbruch, egal von wem, konnten mich stoppen! Ich hatte meine Ziele erreicht... Im Dezember noch mit knapp 125 Kilo auf der Waage und jetzt, 5 Monate späte  und 17 Kilo leichter Finisher bei der Worldclass Mountainbike Marathon Challenge 2010.
Ich fuhr nach dem Rennen schnell nach Hause (mit dem Auto), habe meinen Sohn Moritz geholt, der seinen Mittagschlaf bei Oma und Opa beendet hatte und kam frisch geduscht zurück nach Offenburg um noch die Siegerehrungen mit zu erleben. Eine Bratwurst, ein Tannenzäpfle und eine großartige Erfahrung reicher fuhren wir dann gegen 16:00 Uhr nach Hause.
Ein Erlebnis welches ich nicht mehr missen möchte hat seinen Abschluss gefunden und mir den Weg in ein neues Hobby eröffnet. Ich würde es jederzeit wieder machen. Den Gewinnern der nächsten „Sportskanone“ kann ich nur sagen... wenn ihr ausgewählt werdet seid ihr wirklich auserwählt!!!
Vielen Dank an Anna und Jörg  Scheiderbauer, ohne deren Phantasie, Wille und Engagement dies alles nicht möglich gewesen wäre. Auch natürlich an die Sponsoren meinen heißen Dank... Mein FELT Virtue 1 kommt bei mir direkt nach der Familie und meine X-BIONIC Bekleidung lege ich nur ab wenn es unbedingt sein muss ;-). Andi Berger alias Ole-Einar Berger alias Pam Berger trug ebenso zum Erfolg bei wie die Profi-Athleten des Weltcup Teams, mit denen wir hautnah eine superschöne Woche in der grandiosen Location des ÖTZTALs verbringen durften.
Ein besonderer Dank gehen an Heiko Rudolf und Sven Horn von Scheiderbauer Sports, zwei Ober-Sympathen mit welchen ich den ersten Kontakt hatte, welche mit mir das Video gedreht haben und mich auch sonst wo es nur ging unterstützt haben.
Jungs ihr seid SUPER!!!
Das gilt auch für Svens Frau Annika sowie den Gott-Mechaniker Geri Schrempf, welche mich zusammen mit Heiko und Sven im April das erste Mal auf die 32km begleitet hatten. Geri, danke nochmals für deine Tipps, vor allem das "Anfahren am Berg" hat mir schon mal sehr geholfen sowie mit deiner endlosen Geduld an meinem Rad zu schrauben und mir die einfachsten Zusammenhänge der Rad-Technik zu erklären... zumindest hast Du es versucht ;-).
Wir sehen uns wieder, auf der einen oder anderen Piste!

Eure Sportskanone Freddy Kühner