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23.04.10 09:45

Sabine Spitz im Exklusivinterview: "Offenburg ist ein echtes Highlight im internationalen Mountainbike Kalender!"

Sabine Spitz steht für den Begriff Mountainbike in Deutschland. Die 38-jährige Schwarzwälderin hat in den Disziplinen Cross Country und Marathon bereits alles gewonnen, was es im internationalen Mountainbikesport zu gewinnen gibt. Neben insgesamt zehn deutschen Meisterschaften stehen zahlreiche Welt- und Europameistertitel sowie zweimal Platz eins der UCI Weltrangliste. Bei den olympischen Spielen von Peking 2008 feierte Spitz mit dem Gewinn der Goldmedaille den bisher größten Erfolg ihrer Karriere.


1.    Sie sind seit mittlerweile ca. 15 Jahren in der absoluten Weltspitze vertreten. Seitdem hat der Stellenwert der Athletik eine immer größere Bedeutung gewonnen  Wie schaffen Sie es ihr Niveau über einen solch langen Zeitraum aufrecht zu erhalten?


Ganz einfach mit Spass am Rad- bzw. Mountainbikesport. Das ist mein Schlüssel zum Erfolg. Damit geht die Bereitschaft und Motivation einher sich stetig weiter entwickeln zu wollen. Für mich ist Stillstand gleich Rückschritt. Selbst nach so langer Zeit lerne ich noch dazu und erkenne Möglichkeiten mich zu verbessern. Diese Perspektive ist entscheidend. Das heißt nicht unbedingt, dass man mehr trainieren muss. Da gibt es Grenzen. Aber man kann z.B. qualitativ besser arbeiten. Natürlich spielen nach so vielen Jahren auch Dinge wie Erfahrung und Selbstvertrauen eine wichtige Rolle.
 
2.    Sie dominieren die deutsche Szene nach Belieben. Seit 2001 hat es keine deutsche Fahrerin geschafft Sie vom Thron zu stoßen. Wie lange müssen die jüngeren Fahrerinnen noch auf eine Wachablösung warten?


Nach Belieben dominiere ich sicher nicht. Aber ich hoffe, dass ich mich noch ein paar Jahre gegen die „Jungen“ wehren kann. Allerdings sorge ich ja im Moment mit meinem central Pro Team auch selbst dafür, dass es immer schwerer wird. Mit unserem Partner central Krankenversicherung wollen wir junge Sportler an die Weltspitze führen. Ein tolle Aufgabe, denn Konkurrenz belebt das Geschäft.

3.    Sie haben national und international alles erreicht. Wie können Sie sich immer wieder neu motivieren und welche sportlichen Ziele wollen sie noch erreichen?


Die Erfolge haben mir immer sehr viel Motivation gegeben, um mir stets neue Ziele zu setzten. Einzig mit dem Olympiasieg war mal ein Moment da, wo einem bewusst wurde, dass es ja eigentlich gar kein höheres Ziel mehr gibt. Es ist letztlich die Freude am Mountainbikesport und an der Bewegung, die mich antreibt mir neue Aufgaben zu stellen. Natürlich ist auch das Gefühl auf dem Podium zu stehen, es geschafft zu haben, unbeschreiblich, das man immer wieder sucht.
Ich will nochmals die Olympischen Spiele erleben und dort um eine Medaille kämpfen. Das ist mein großes Ziel, Kurzfristig sind stets die jährlichen Weltmeisterschaften eine besondere Herausforderung. Hat man das Regenbogentrikot des Weltmeisters will man es natürlich verteidigen. Deshalb hoffe ich dieses Jahr bis zur Marathon WM am 08. August in St. Wendel wieder fit  zu sein.

4.    Seit Jahren setzen Sie sich konsequent für einen dopingfreien Sport ein und wurden 2009 vom internationalen olympischen Komitee (IOC) für ihr Engagement und ihre Haltung zum Thema geehrt. Wie könnte ein optimiertes Anti-Doping Konzept ihrer Meinung nach aussehen?  
 
Das aktuelle Anti Doping Konzept, das wir in Deutschland haben, ist schon mal sehr gut. Da hat sich in den letzten Jahren vieles zum Guten gewendet. Gerade im mitteleuropäischen Raum ist das Netz mittlerweile sehr eng geworden wobei die Kontrolldichte gerade bei intelligenten Kontrollen sicher noch höher sein könnte. Leider ist das nicht unbedingt der internationale Standard. Auch was die Konsequenzen angeht, die positive Dopingfälle haben, besteht Handlungsbedarf. Da ist die Abschreckung viel zu gering. Lebenslange Sperren und strafrechtliche Folgen wären da die richtige Antwort.
Neben einem international einheitlichen dichten Kontrollsystem ist die Prävention sehr wichtig, was aber auch mehr und mehr erkannt wird. Auch für mich in meinem Team ist das ein sehr sehr wichtiger Aspekt. Ich will meinen Athleten vorleben, dass man auch ohne Doping erfolgreich sein kann. Ich denke das gelingt mir recht gut und ist der beste Schutz vor Doping den es gibt.

5.    In Offenburg landeten Sie in den vergangenen Jahren stets unter den Top 10. Wie beurteilen Sie den einzigen Weltcup auf deutschem Boden im Allgemeinen und die Strecke sowie die Stimmung vor Ort im Speziellen?


Offenburg ist ein echtes Highlight im internationalen Mountainbike Kalender. Speziell für mich als Badenerin ist es natürlich auch ein Heimspiel, bei dem viele Fans aus meiner Region vor Ort sind. Die Stimmung ist genial, die Strecke ist top und auch das Umfeld perfekt organisiert. Das ist beste Werbung für unseren Sport. Ich habe schon oft die Erfahrung gemacht, dass Zuschauer nach dem Besuch des Weltcups in Offenburg den MTB Sport mit ganz anderen Augen sehen. Es wäre an der Zeit, dass dies auch durch die Medien einmal im großen Stil transportiert wird. Die Strecke ist sehr spektakulär für die Fans. Schade, dass das Reglement keine kürzere Strecke zulässt, da könnte man es noch zuschauer- und TV- freundlicher gestalten.

6.    Gestatten Sie uns einen Blick hinter die Kulissen. Wie sieht ihr Alltag aus?


Der gestaltet sich eigentlich recht unspektakulär. Das ist nicht so sehr viel anders wie ein normales Arbeitsleben, einzig dass der Rhythmus vielleicht ein anderer ist. Allerdings muss ich zugeben, dass es seit dem Olympiasieg insgesamt etwas turbulenter geworden ist. Es gilt viele Termine wahrzunehmen und diese mit dem Training und den vielen Reisen unter einen Hut zu bringen. Mountainbike ist eine sehr trainingsintensive Angelegenheit. Aber das ist auch sehr spannend und lässt einen sehr viele Eindrücke und Erfahrungen sammeln. Bald wird man mich auch mal in einer ganz anderen Rolle sehen. Aber da will ich jetzt noch nicht allzu viel darüber verraten.


7.    Welches ist für Sie das wichtigste Problem, das die Politik lösen muss?


Oh je, ich weiß gar nicht ob es „das“ wichtigste Problem überhaupt gibt. Ich glaube es gibt viele wichtige Probleme, die es zu lösen gilt. Unabhängig von den einzelnen Themen wäre es wichtig, wenn die Politik den Bürgern wieder das Vertrauen zurückgeben würde sich um die wirklichen Probleme zu kümmern und diese auch zu lösen. Insgesamt aber sicher keine leichte Aufgabe.

 

 

Foto Copyright: Ralf Schäuble