30.04.10 08:00
Großes Exklusivinterview mit Wolfram Kurschat: „Der größte Triumph meiner Karriere steht noch aus!“
Mit seinen 34 Jahren gehört Wolfram Kurschat zu den erfahrenen Profis der Mountainbike Szene. Der dreifache Familienvater ist amtierender deutscher Meister im olympischen Cross Country. In Heidelberg absolvierte Kurschat, der für das Topeak Ergon Racing Team fährt, sein Pharmaziestudium.
1. Seit knapp 20 Jahren sind sie im Mountainbikesport zu Hause, dabei haben sie etliche Höhen und Tiefen erlebt. Was war für sie der größte Triumph und was die größte Enttäuschung ihrer bisherigen Karriere?
Wirklich stolz macht mich, daß ich mittlerweile ganze Fahrergenerationen „überlebt“ habe, mich trotzdem immer noch auf internationalem Spitzenniveau bewege und jetzt schon meine gesammelten Erfahrungen an jüngere Fahrer weitergeben kann. Der größte Triumph meiner Karriere steht noch aus – der Sieg beim Weltcup in Offenburg vor heimischem Publikum. Enttäuschend war und ist immer eine Topform zu haben, welche sich am Tag X nicht in einem entsprechenden Ergebniss widerspiegelt, da man durch Krankheit oder Defekt gebremst wurde. Höhen und Tiefen gehören einfach zum Sport dazu und eine meiner Stärken ist es, nach Niederlagen immer wieder aufzustehen.
2. Nachdem sie 2000 und 2004 die Qualifikation für die Olympischen Spiele verpasst haben, wurden sie in der letzten Auswahlrunde für Peking 2008 nominiert. Ging damit ein lang ersehnter Traum in Erfüllung?
Mit der Olympianominierung ging ein großer Traum in Erfüllung – nachdem ich acht Jahre zuvor durch Unerfahrenheit die Qualifikation in den Sand gesetzt hatte und 2004 mein Fokus auf dem Studium lag.
3. Sie haben das olympische Cross Country einst als „Formel 1 des Radsports“ bezeichnet. Was macht für sie den Reiz dieser Disziplin aus?
Cross Country ist für mich die Königsdisziplin. Nicht nur weil sie olympisch ist, sondern weil sie einen kompletten Athleten fordert. XCO hat viele Parallelen zur Formel 1, wie zum Beispiel die Startaufstellung, die große Bedeutung des Starts, das Agieren am absoluten Limit, die Techzone/ Boxengasse und die Jagd nach Hundertsteln und Sekunden.
4. In Heidelberg haben sie parallel zu ihrer Karriere ein Pharmaziestudium absolviert und erfolgreich abgeschlossen. Planen sie im Anschluss an ihre sportliche Laufbahn im pharmazeutischen Bereich tätig zu sein?
Bis 2012 liegt mein Fokus absolut auf dem Leistungssport – mein Ziel ist eine zweite Olympiateilnahme.
5. Beim UCI Mountainbike Weltcup in Offenburg haben sie im vergangenen Jahr einen hervorragenden 2. Platz belegt und mussten sich dabei nur Doppel-Olympiasieger Julien Absalon geschlagen geben. Welche Ziele haben sie sich für die Saison 2010 gesetzt?
Nach zwei zweiten Plätzen strebt man natürlich danach auch einmal an ein Weltcuprennen zu gewinnen. Dazu gibt es in dieser Saison nur sechs Chancen. Bei der extrem hohen Leistungsdichte in der Herrenklasse wird ein Weltcupsieg also kein leichtes Unterfangen.
6. Gestatten Sie uns einen Blick hinter die Kulissen. Wie sieht ihr Alltag aus?
In den letzten zehn Jahren habe ich mir ein perfektes Umfeld für die Ausübung meines Berufs als Mountainbikeprofi in Neustadt an der Weinstraße geschaffen. Dort lebe ich mit meiner Familie und habe direkt hinter dem Haus optimale Trainingsbedingungen. Seit 2007 ermöglicht mir meine Mannschaft, das Topeak Ergon Racing Team, mich komplett auf den Sport zu konzentrieren und unterstützt mich in der Vorbereitung auf die Saisonhighlights wie den Worldcup in Offenburg.
7. Welches ist für Sie das wichtigste Problem, das die Politik lösen muss?
Der Begriff Politik ist sehr weitläufig. Meine Meinung zu den Inhalten der einzelnen politischen Sachgebiete würde hier den Rahmen sprengen. Ein grundlegendes Problem in unserem Staat ist jedoch, dass sich die Umsetzung und Anpassung der politischen Inhalte unserer Systeme oft wie ein Öltanker verhalten, wenn eigentlich die Agilität eines Schnellbootes gefragt ist.
Foto Copyright: Armin Küstenbrück


