19.09.11 09:16
Cancun: Böcherer rennt zum 70.3-Hattrick
(tri-mag.de) Andreas Böcherer bleibt auch im mexikanischen Cancun in der Erfolgsspur und feiert nach einer überlegenen läuferischen Leistung seinen dritten Ironman-70.3-Sieg in Folge. Auch Hitze, Chaos und "lutschende" Konkurrenten konnten ihn nicht aus der Ruhe bringen.
Mit seinem Sieg beim Ironman Switzerland im Juni ist für Andreas Böcherer wohl endgültig der Knoten geplatzt. Erst eine starke Vorstellung und der Sieg vor Timo Bracht beim Heidelbergman, dann der Titel bei den Ironman-70.3-Europameisterschaften in Wiesbaden. "Ich surfe in diesem Jahr auf einer Erfolgswelle", sagte Böcherer deshalb auch wenige Tage vor dem Start seines dritten Ironman-70.3-Rennens in diesem Jahr, diesmal in Cancun. Und auch dort konnte Böcherer nichts aus dem Gleichgewicht bringen - weder die mexikanische Hitze, noch chaotische Streckenführungen oder unfair agierende Konkurrenten.
Keine Angst vor der Laufentscheidung
"Das Schwimmen war ein einziges Chaos, jeder hat abgekürzt, die Strecke war mit den Bojen einfach nur chaotisch abgesteckt", meint Böcherer nach dem Rennen gegenüber tri-mag.de. Wenige Sekunden hinter einem neuseeländisch-italienischen Spitzenduo war der Ironman-70.3-Europameister direkt hinter dem Italiener Daniel Fontana als Vierter aus dem Wasser gestiegen, schloss die Lücke zu den Führenden Bryan Rhodes (NZL) und Ivan Risti (ITA) aber schon nach wenigen Metern - und versuchte, sich von ihnen abzusetzen. "Aber das hat nicht funktioniert. Wir sind fast die ganze Zeit in einer großen Gruppe gefahren", sagt Böcherer. Eine Gruppe, in der wohl nicht jeder den verlangten Mindestabstand zum Vordermann einhielt. "Es wurde die ganze Zeit nur gelutscht", sagt Böcherer. "Ich hatte aber gute Beine und habe deswegen trotzdem versucht, die anderen müde zu fahren." Offenbar übertrieb er es dabei aber nicht, powerte sich nicht vollkommen aus, sondern hob sich Kraft für den Halbmarathon auf, auf dem die Entscheidung fallen sollte - auch etwas, wovor Böcherer nach den jüngsten Saisonergebnissen keine Angst mehr hat, wie er bewies.
"Nach drei Kilometern hatte ich mich auch von meinem letzten Begleiter gelöst", erzählt er. Die ersten zehn Kilometer lief Böcherer in 36:30 Minuten und erarbeitete sich ein komfortables Polster, danach konnte der 28-Jährige es zumindest etwas ruhiger angehen lassen und lief den Halbmarathon in 1:18:34 Stunden zu Ende. Ein deutlicher Sieg, rund sieben Minuten vor seinem Begleiter vom Beginn des Rennens, dem Italiener Daniel Fontana, der wegen Windschattenfahrens eine Zeitstrafe kassierte. Pech für ihn, denn mit einem Lauf über 1:19:25 Stunden wäre er der einzige gewesen, der Böcherer an diesem Tag womöglich hätte fordern können. Das Podium komplettierte der Australier Timothy Reed zwei Minuten hinter Fontana und fast eine Minute vor dem Ungarn Balazs Csoke. Das Rennen der Frauen gewann die Australierin Christie Sym vollkommen ungefährdet, nachdem sie sich auf dem Rad um rund eine Viertelstunde von ihren Verfolgerinnen abgesetzt hatte.
Generalprobe bestanden
Für Böcherer bleibt nach dem Rennen kaum Zeit zum Durchatmen. "Morgen früh um sieben geht es für mich schon weiter in Richtung Hawaii", erzählt der Freiburger. Im Gepäck hat er dann, drei Wochen vor dem großen Saisonabschluss, nicht nur seinen dritten Ironman-70.3-Sieg in der laufenden Saison (und in Folge), sondern, vor allem nach der überlegenen Vorstellung auf der Laufstrecke, auch eine Menge zusätzliches Selbstbewusstsein. "Auch die Hitze hat mir nichts ausgemacht. Und mit der Ernährung hat alles genau so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt hatte", sagt er. Praktisch nebenbei streicht Böcherer mit dem Sieg zudem 750 Punkte für das Kona-Pro-Ranking ein - schon früh ein großer Schritt in Richtung Saisonfinale 2012, der die Planungen für das kommende Jahr erleichtert. Zumal Böcherer auf Hawaii mit einer anvisierten Platzierung um die Top-Ten weiter viele Punkte sammeln könnte. Form, Vorbereitung und Verpflegung scheinen dafür jedenfalls zu stimmen bei Andreas Böcherer, der sich in Mexiko auch von chaotischen Bedingungen und Hitze nicht verrückt machen ließ und kühlen Kopf behielt. Wie gute Surfer das eben so machen, wenn sie eine (Erfolgs-)Welle reiten.
(Text: Fabian Fiedler)




